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Machen Sie mit!


 

 

Welches sind die Elemente der Landschaft und der Ortschaften, die nach Ihrer Meinung keinesfalls verloren gehen dürfen, weil sie die Eigenart der Gegend prägen?

Welche Baukultur braucht das Obere Mittelrheintal, damit sich die Bewohner und die Besucher wohl fühlen
?

Wir würden sehr gerne Ihre Meinung wissen!
Vielleicht haben Sie Ideen und Anregungen?

Wir würden uns freuen, wenn Sie sich aktiv an der "Initiative Baukultur im Welterbe Oberes Mittelrheintal" beteiligen.

Sollten Sie keine Zeit finden, sich aktiv zu engagieren, können Sie sich dennoch informieren lassen. Teilen Sie uns hierzu bitte Ihre eMail-Adresse mit:

Mail an: mitmachen@herrchen-schmitt.de

 

Im Jahr 2005 fand eine intensive Arbeitsphase zum Thema Baukultur im Welterbegebiet statt. Interessierte Bürger konnten in Arbeitsgruppen ihre Anregungen und Ideen für die Initiative Baukultur einbringen.

 

Arbeitsgruppe 1: Kulturlandschaft und Freiraum

Arbeitsgruppe 2: Städtebau und Architektur

Arbeitsgruppe 3: Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit


Die Protokolle der Arbeitsgruppensitzungen und weitere Dokumente finden Sie im Download-Verzeichnis

 

 

 

 

 

 

   

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Arbeitsgruppe 1: Kulturlandschaft und Freiraum
(Kurzfassung: Impulsreferat von Christoph Schmitt, HERRCHEN & SCHMITT)

Die Eigenart der Kulturlandschaft und des Freiraumes
Die Eigenart einer Landschaft kann als allgemein nachempfindbare Eigenschaft definiert werden. In ihr spiegeln sich Wertkriterien wie Einmaliges, Typisches, Unverwechselbares und Überraschendes, Harmonie und Vielfalt aber auch Orientierung und Geborgenheit. Letztlich macht die Eigenart die Identität des Ortes, der Landschaft aus.
Welches sind die eigenartsprägenden Merkmale, Strukturen, Objekte des Mittelrheintales und insbesondere in der Gegend von Lorch und Rüdesheim?

Die Menschheit hinterlässt Spuren in der Landschaft auf ihrem Entwicklungsweg durch die Zeit. Markante Einzelelemente bewahren "Erinnerungen", die in der Landschaft liegen.
Welche gestaltprägenden Spuren und Zeugnisse der Vergangenheit sind Ausdrucksformen der historisch gewachsenen Kulturlandschaft des Mittelrheintales und tragen somit zur Eigenart der Landschaft bei?

Nicht das Gestrige soll verklärend kultiviert werden. Aber der in die Vergangenheit gerichtete Blick auf die romantische Kulturlandschaft kann den Blick schärfen und Orientierung bieten: Welche Werte der Kulturlandschaft des Mittelrheintales sind erhaltenswert? In Ableitung dessen ist zu erkennen, welche lebenswerten und erlebenswerten Neuerungen der gewachsenen, historischen Kulturlandschaft gut tun. Dabei geht es um die Sensibilisierung für die Wertschätzung der Landschaft durch die Menschen vor Ort, aber auch durch die Touristen und alle anderen Besucher.
Welche Elemente und Strukturen des Mittelrheintales und der Städte Lorch und Rüdesheim bilden Anknüpfungspunkte für eine verträgliche und nachhaltige Nutzung und zukunftsorientierten Entwicklung?

Die Aufgabe der Arbeitsgruppe Kulturlandschaft und Freiraum
Auf der Suche nach Antworten auf die aufgeworfenen Fragenkomplexe, soll in der Arbeitsgruppe von der Bevölkerung der Städte Lorch und Rüdesheim Ziele und Leitvorstellung entwickelt werden. Zum Beispiel zu den durch Nutzung geprägten Vegetationsformen der Landschaft: Wälder, Streuobst , Weinberge, Ackerflächen, Wiesen, Weiden und Gärten und deren gliedernde Vegetationsformen: Hecken, Feldgehölze, Raine, Säume, Baumreihe, Alleen, aber auch den innerörtlichen öffentlichen und privaten Freiflächen, wie Gärten, Parkanlagen und Spielplätze. Dazu können thematische Gebiete gebildet werden, wie zum Beispiel:

- Historische Elemente der Kulturlandschaft
- Ortsränder und Ortseingänge
- Ufer, Vorländer und Rheininseln
- Fuß- und Radwege und Infrastruktureinrichtung
- Wege, Plätze und Aufenthaltsräume im innerörtlichen Bereich
- Gärten und Freizeiteinrichtungen …

Die Protokolle der Arbeitsgruppensitzungen und weitere Dokumente finden Sie im Download-Verzeichnis

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Arbeitsgruppe 2: Architektur und Städtebau
(Kurzfassung: Impulsreferat von Oliver Prells, Stadt-Land-plus)

Architektur und Städtebau sind wichtige kulturelle Dokumente einer Epoche und einer Region. Beide spiegeln gesellschaftliche Werte, soziale Verhältnisse, Wirtschaftsweisen, Lebensgefühl u. v. a. wider. Die gebaute Umwelt prägt ganz entscheidend das Bild - das "Image" - einer Region. Jede(r) einzelne Bauherr/Baufrau trägt dazu bei. Das Kulturgut der gebauten Umwelt wird sowohl geprägt durch die Einzelbaukörper, als auch und in besonderem Maße durch den verbindenden öffentlichen Raum, die Art der Anordnung der Gebäude und ihr Verhältnis zueinander, die Einbindung des Siedlungskörpers in die Landschaft sowie die technische Infrastruktur für Kommunikation, Verkehr und Energietransport.

"Baukultur" besteht jedoch nicht nur aus den sichtbaren Bauwerken, sondern ebenso aus der Diskussion über Architektur und Städtebau in Gesellschaft und Fachwelt, aus dem Informationsaustausch, aus der Weiterentwicklung der Architektur/ des Städtebaus durch Kreativität und Innovation - unter Berücksichtigung regionaler, gesellschaftlicher, umweltbezogener Gegebenheiten. Gerade neue oder sanierte Bauten, neue Gestaltungsformen, Verbindungen von Altem und Modernem geben Anlass zur dieser Diskussion. Gibt es regionale Architektur?

Architektur ist integraler Bestandteil regionaler Identität, die sich in einem Bewusstsein für eine Region, für die Besonderheiten von Natur und umbauter Natur, in einem Gefühl von Heimat äußert. Unbestritten sind historische Gebäude, Ensembles und Stadtanlagen sichtbarer Ausdruck regionaler Architekturentwicklung. Neue Gebäude und Siedlungsflächen sind dagegen längst nicht so als Imagefaktor im Bewusstsein der Menschen verankert. Gewerbegebiete, Einkaufszentren, Einfamilienhaussiedlungen machen oft 80 % des Stadtgebietes aus, waren aber bisher kaum in die Architekturdiskussion einbezogen. Die Zwänge, die in den vergangenen Jahrhunderten eine gewisse Geschlossenheit des Formen- und Materialkanons bewirkt haben, sind heute weitaus aufgehoben.

"Hatte früher jede Kulturlandschaft ihre regionale Besonderheit, ihr unverwechselbares Gesicht, so schwindet dieser regionale Bezug und damit die regionale Identität. Die Mobilität des Einzelnen, die Verfügbarkeit verschiedenster Baumaterialien und ein Überangebot der Baustoffmärkte lösen die Bindungen an den Standort auf." (Prof. Marie Luise Niewodniczanska)

Regionale Baukultur bewegt sich daher im Spannungsfeld zwischen "konservativem" Bewahren (Respekt vor dem Althergebrachten: Kulturerbe, Geschichte, Tradition und Wissen) und "kreativem" Entwickeln unter Berücksichtigung regionaler Potenziale. Für die Entwicklung einer regionalen Baukultur bei Neubauten und neuen Siedlungsgebieten können drei verschiedene Ansätze formuliert werden:
1. Das Alte kopieren - weitgehender Nachbau des Vorgefundenen,
2. Am Alten orientieren - Übernahme historischer Bau- und Siedlungsmuster als Leitmotiv,
3. Neues entwickeln - neue Ansätze unter Berücksichtigung der regionale Besonderheiten und Erfordernisse.
Die wenig innovative Kombination beliebiger stilistischer Versatzstücke ohne Bezug auf Funktion und regionale Besonderheiten, wie sie heute europaweit gerade im Einfamilienhausbau angewendet wird, läuft der Entwicklung einer regionalen Baukultur dagegen zuwider. Neue Siedlungsflächen zeichnen sich im Hinblick auf Architektur und Städtebau durch besondere Beschränktheit hinsichtlich einer Fortentwicklung aus. Das Dilemma spiegelt sich auch in der kommunalen Bauleitplanung wider, die einerseits weitgehende Baufreiheit und damit auch Innovationsfähigkeit gewährleisten soll und andererseits - dem Gemeinwohl verpflichtet - unerwünschte, einer regionalen Baukultur widersprechende Auswüchse verhindern soll.

Der Nutzen einer regionalen Baukultur liegt nicht zuletzt in der Außendarstellung einer Region, in der touristischen Vermarktung durch "Alleinstellungsmerkmale" mit Wiedererkennungswert und in der Entwicklung und Bindung regionaler Potenziale (z. B. Handwerk). Sie kann eine Region und ihre Geschichte "in Wert setzen" und damit die Wertschätzung ihr gegenüber erhöhen. Baukultur ist ein Gemeinschaftswerk, aber keine öffentliche Aufgabe - sie kann nicht verordnet werden, sondern muss als konstruktiver und kreativer Dialogprozess in den Dörfern und Städten entwickelt werden. Eine Auseinandersetzung mit den zu bewahrenden historischen Werten und den nach außen sichtbar zu machenden zeitgemäßen Wertvorstellungen ist dazu ein wichtiger Beitrag.

"Schöpft ein Entwurf allein aus dem Bestand und der Tradition, wiederholt er das, was ein Ort ihm vorgibt, fehlt mir die Auseinandersetzung mit der Welt, die Ausstrahlung des Zeitgenössischen. Erzählt ein Stück Architektur nur Weitläufiges und Visionäres, ohne ihren konkreten Ort zum Mit-schwingen zu bringen, vermisse ich die sinnliche Verankerung des Bauwerks an seinem Ort, das spezifische Gewicht des Lokalen." (Peter Zumthor, Architekt, Schweiz)

Die Protokolle der Arbeitsgruppensitzungen und weitere Dokumente finden Sie im Download-Verzeichnis

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Arbeitsgruppe 3: Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
(Kurzfassung: Impulsreferat von Friedrich Hachenberg, Stadt-Land-plus)

Das Handlungskonzept Mittelrheintal von Koblenz bis Bingen von 1997 war wesentlicher Bestandteil des Antrags zur Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO 2002. Das darin formulierte Leitmotiv sowie die Leitbilder sind sozusagen als Ursprung der jüngst gestarteten "Initiative Baukultur im Welterbe Oberes Mittelrheintal" zu sehen. Die Baufibel als Produkt des gesamten Prozesses soll als Bau(hand)buch der Städte Lorch/Rhein und Rüdesheim am Rhein, für die Öffentlichkeit sichtbares und praktisches Ergebnis der Initiative "Baukultur im Welterbe Oberes Mittelrheintal" sein. Sie ist als Resultat des nun begonnenen Diskurses von Bauwilligen, Handwerkern Planern, Architekten und allen baukulturell Interessierten als Leitfaden für zeitgemäßes regionales Bauen und Gestalten in den traditionsreichen Städten Lorch/Rhein und Rüdesheim am Rhein zu verstehen. Sie gibt Empfehlungen für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und leistet eine Beitrag zur Förderung regionaltypischer, ökologischer und innovativer Bauweisen. Sie gibt Bauherren Orientierungshilfe für Sanierung, Umbau und Erweiterung ihrer Häuser sowie Empfehlungen für den Bau neuer Häuser. Darüber hinaus dient sie den Kommunen als Ratgeber und Entscheidungshilfe bspw. bei der Bauleitplanung und der Beurteilung von Bauvorhaben.

Voneinander lernen im Sinne von "Best Practices" durch Erfahrungsaustausch mit ähnlich strukturierten Welterbegebieten wie bspw. die Wachau in Österreich oder dem Loire-Tal in Frankreich ist ein angestrebtes Ziel des Projekts. Die Einbettung des Projekts in die Initiativen der UNESCO, des Bundes (Stiftung Baukultur) und des Landes Hessen, könnte Ergebnis des breit angelegten Diskussionsprozesses der "Initiative Baukultur Im Welterbe Oberes Mittelrheintals" sein. Nach dem Motto "Baukultur macht Schule" ist es beabsichtigt, junge Menschen für historische Bauten, für Ensembles und die Kulturlandschaft in den Städten Lorch/Rhein und Rüdesheim am Rhein zu begeistern. Entscheidend für das Gelingen des Projekts ist die Planungsmethode bzw. -kultur.

Die Initiative Baukultur ist als öffentliches und konsequent offenes Verfahren mit lebendiger Interdisziplinarität und konkreter Entscheidungsfindung angelegt. Es wird sowohl in parallelen Teams (Arbeitsgruppen) als auch in gemeinsamen Foren (Fachkonferenzen, Fachexkursionen) "gearbeitet". Es sollen keine Regelungen oder Festsetzungen vorab getroffen werden. Die "Arbeit" auf ein gemeinsames Ziel steht im Vordergrund (ergebnisoffen und ergebnisorientiert). Die Einbeziehung des lokalen Sachverstands ermöglicht den Blick von Innen und zeigt Defizite und Handlungsfelder auf. Ein neutraler Blick von Außen (externer Sachverstand) schafft Perspektiven und bietet Vergleichsmöglichkeiten. Lösungsansätze werden erörtert und gemeinsame Ergebnisse gefunden. Wichtig in allen Phasen ist die Transparenz durch permanente Information und Dokumentation (Medienarbeit). Somit wird die Vertrauensgrundlage für unterschiedliche Interessengruppen geschaffen. Die Zusammenarbeit wird auf der Grundlage einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit wesentlich erleichtert. Dazu trägt vor allem eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit (Internet, Presse, etc.) bei.

Die praktische, unentgeltliche Bauberatung rundet das Projekt ab. Sie bietet konkrete Hilfestellung am einzelnen Objekt bei Sanierung, Renovierung, An- und Neubau sowie bei der Gestaltung von Freiräumen, Grünflächen und Gärten.

Die Protokolle der Arbeitsgruppensitzungen und weitere Dokumente finden Sie im Download-Verzeichnis

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